Inhalt des Buches

Um den Leser auf die Lebensreise des hl. Gallus mitzunehmen, habe ich mich vor allem der Vita S. Galli des Reichenauer Mönchs Wetti bedient, weil es mir seine liebevolle und altertümliche Sprache angetan hat. Wetti hat das Buch zwischen 816 und 824 verfasst; es beruht jedoch auf der ältesten Fassung eines anonymen Schreibers, der Vita vetustissima, die um 680 aufgeschrieben wurde, also lediglich etwa 40 Jahre nach Gallus' Tod.

Eine weitere wichtige Quelle des Wissens über Gallus bildet "das Leben Kolumbans" des Jonas von Bobbio (600-659). Jonas war ein Mönch im von Kolumban gegründeten Kloster Bobbio in Norditalien. Um 628 erhielt er von Abt Bertulf den Auftrag, eine Lebensgeschichte des Kolumban zu schreiben. Zu diesem Zweck reiste Jonas an den Bodensee und ins Frankenland, um vor Ort zu recherchieren, wie man heute sagen würde. Er befragte viele Brüder, die Kolumban und Gallus noch persönlich gekannt hatten und nennt diese auch mit Namen. Sehr wahrscheinlich hat Jonas auch Gallus noch persönlich gekannt.
Auf meiner Reise ging ich nicht ganz chronologisch vor:

beginnend in St. Gallen, besuchte ich Tuggen (Kanton Schwyz), Arbon und Bregenz am Bodensee, flüchtete wie Gallus über die Saxerlücke im appenzellischen Alpstein nach Grabs, fuhr mit dem Schiff nach Überlingen und Konstanz und erforschte zu guter Letzt die Spuren der Irenmönche in den Vogesen (Frankreich). In Luxeuil-les-Bains und Umgebung (Annegray, Fontaines) haben sie unter Kolumbans Führung drei Klöster gegründet und 20 Jahre gelebt, bevor sie von dort verjagt wurden und sich in alemannisches Gebiet begaben.
Die Flucht über die Saxerlücke

Auf diesem kleinen Film sehen Sie, wie der Autor - so wie einst Gallus - über die Saxerlücke im appenzellischen Alpstein ins Rheintal flüchtet. - Film und Musik stammen vom Violonisten/Komponisten Paul Giger, der für das Buch auch einen Beitrag in Kapitel 14. Und die Musik zu Gallus' Zeiten? geschrieben hat.

Die iro-schottischen Auswanderer-Mönche
So nenne ich diese irischen Gottesmänner, die im 6. Jahrhundert massenweise, freiwillig und für immer ihr Heimatland verliessen und sich auf Wanderschaft um Christi Willen begaben (peregrinatio propter Christum, in Irland auch "das grüne Martyrium" genannt).
Um eine Ahnung zu erhalten, wie die Mönche im 6. Jahrhundert in Irland gelebt haben mochten, ging ich an verschiedenen Orten ihren Spuren nach: auf der Insel Skellig Michael im Atlantik mit seiner Mönchssiedlung aus dem 6. Jhdt; in Kells mit seinen berühmten Hochkreuzen, in der Klosteranlage Glendalough (6. Jhdt.) und auf dem Wallfahrtsberg St. Patrick. Bangor in Nordirland, von wo aus Kolumban mit seinen Mitbrüdern aufgebrochen war, habe ich nicht selber aufgesucht.

So führt "Gallusland" durch das Leben dieses irischen Auswanderer-Mönchs, zeigt die hellen und dunklen Seiten eines eigenwilligen, sprachgewaltigen und charismatischen Menschen, der sich im Jahre 612 gegen den Willen seines Abtes Kolumban entschieden hatte, in der Gegend am Bodensee zu bleiben, um in der Wildnis im Hochtal der Steinach eine Zelle zu bauen. In seinem 95. Lebensjahr starb Gallus (um 640).

Von all den Orten habe ich reichlich Bildmaterial mitgebracht. Die meisten Fotografien habe ich aufgenommen, einen Teil hat meine Tochter Rahel, die Fotografin ist, beigesteuert. Und da längst Vergangenes nicht fotografiert werden kann, enthält das Buch auch einige Zeichnungen. Diese stammen von meinem Freund Karl Fürer.